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Und, wie geht’s dir?

Ich bin ein ziemlich glücklicher Mensch. Nie schlecht drauf, selten wütend und habe stets ein Lächeln im Gesicht. Dazu habe ich mich bewusst entschieden und doch ist da eine Sache, die vielleicht daran zweifeln lässt.

Und, wie geht es dir? Eine Frage, die ich nicht selten mit schmückenden, aber nichtssagenden Gefühlszuständen beantworte. Ein lächelndes Gut, grinsendes Toll oder fast (!) schon überschwängliches Super. Zugegeben nicht sehr umfangreich. Ich schweife nicht aus, bewege mich am Meridian der Emotionen. Wartend auf Mehr. Wartend auf Furchtbar, Fantastisch oder Fabulös. 

Doch woran liegt es? Vielleicht daran, dass ich ein positiver Mensch bin und es mir eigentlich nie so richtig schlecht geht. Aber ich verallgemeinere auch einfach nicht gerne. Die einzige Abweichung meiner Standardantworten bekommt mein Gegenüber, wenn es mir körperlich mal nicht so gut geht. Doch selbst mit Fieber oder einer gebrochenen Rippe, würde ich den Satz mit Super beginnen, um dann mit aber… zu intervenieren. 

Vielleicht, weiß ich das Leben, das wir führen dürfen, einfach genügend zu schätzen.

You are fine? 

Aber mal wirklich? Warum ist das so? Wer wirklich mit „I am fine.“ auf „How are you?“ als Begrüßung reagiert, erntet meist direkt erschrockene Blicke. Niemand möchte schließlich auf einmal die halbe Lebensgeschichte hören. Liegt es also an der Zeit? Daran, dass wir kurz angebunden sind?

Viele meiner Freunde leben überall in Deutschland verstreut und aus einem wöchentlichen Sonntagsbrunch wird gezwungenermaßen ein Treffen aller paar Monate. Eigentlich genügend Zeit, um Emotionen, Erlebnisse und Momente einzufangen und diese dann in einem großen Eimer bei den Freunden auszuschütten. Aber dennoch. Bei mir ist erst einmal alles Super

Toll, oder?

Vielleicht, und das wäre ja durchaus gutzuheißen, weiß ich das Leben, das wir führen dürfen, einfach genügend zu schätzen. Ich habe meine Freunde und Familie bei mir, lebe in einer wunderschönen Wohnung mit dem besten Partner, den ich mir vorstellen kann, habe den kuscheligsten Hund an meiner Seite und muss mich nie über zu wenig Essen oder Trinken beschweren. Ist das nicht schon ein Grund, die Frage mit Toll zu beantworten?

Doch da ist noch etwas. Die kurz angebundenen Worte sagen vielleicht viel mehr über mich und mein Befinden aus, als ich es glaube. Als magisches Schutzschild verstecken sie meine tiefen Emotionen und fordern Initiative vom Gegenüber. Wer meinen eigentlichen Gefühlen begegnen darf, muss also schließlich ein toller Freund sein.

Vielleicht, haben wir einfach verlernt, uns wertzuschätzen. Wir haben uns dazu entschlossen, dass uns ein gutes Leben reicht. Das der Tag, als ganz ok, ruhig abgestempelt werden kann. Das Carpe Diem des Lebens können wir doch Morgen beginnen. 

Und ganz vielleicht, dachten wir, dass der Gegenüber keine Zeit für eine gute Antwort hat.

Aber wisst ihr was? Reden hilft und Mutig sein auch. Ein Versuch wäre es Wert.

Und, wie geht’s dir? Manchmal ähnlich?

XOXO
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